Wolkenbruch in Thielenbruch

Veröffentlicht: 16. Juli 2011 in Bahn und Wahn
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Hier noch ein Artikel aus der historischen Klamottenkiste. Eine Anekdote vom früheren Straßenbahn-Betriebshof Thielenbruch (dort, wo heute das Kölner Straßenbahnmuseum ist):

Ein unvergeßlicher Abend in Thielenbruch
oder
„Wolkenbruch in Thielenbruch“

Unvergeßlich bleibt der Pfingstsonntag 1924. Vom frühen Morgen bis nachmittags 4 Uhr waren alle Züge von Köln und Mülheim von Ausflüglern überfüllt. Gegen 18 Uhr, als der Rücktransport begann, entlud sich ein Gewitter, wie es selten erlebt wurde.

Drei Züge blieben vom Blitz getroffen auf der Strecke liegen. Signal- und Telefonanlagen wurden zerstört. Der Betrieb wurde 4 Stunden unterbrochen. Die defekten Züge mußten eingeschleppt werden, um die Strecke frei zu machen. Einer stand in Kalk unter der Unterführung. Hier hatte sich das Wasser über einen Meter hoch angesammelt, da die Abflüsse verschlammt waren. Mittels Drahtseil erfolgte das Herausziehen. Die Feuerwehr sorgte nachher für den Abzug des Wassers.

Auf dem Betriebsbahnhof Thielenbruch hatten sich mindestens 4000 Menschen angesammelt. Kinder und Frauen weinten, Männer schimpften. Alle waren von dem Wolkenbruch überrascht worden, und naß bis auf die Haut. Wagenhallen und Dienstgebäude waren mit Menschen gefüllt. Gegen 11 Uhr abends begann der Rücktransport. Dieser dauerte bis morgens 3 Uhr. Die ersten Züge konnten erst nach längerer Wartezeit abfahren, da Puffer und Dächer besetzt wurden. Erst nach längerem Zureden gelang es, Ordnung zu schaffen.

Es waren sorgenvolle Stunden, Zug auf Zug mußte eingesetzt werden; die Gefahr, daß Züge von hinten auffuhren war groß, da ohne Signal und Telefon gefahren werden mußte. Das Personal erhielt Anweisung, höchstens 20 km Geschwindigkeit zu nehmen und sobald eine Störung eintrete, den Zug durch den letzten Schaffner nach hinten zu sichern. Dank der Umsicht des Personals ging alles gut. Erfreulicherweise war niemand zu Schaden gekommen, nur kamen nachher mehrere Beschwerden wegen Beraubung durch Taschendiebe.

(Quelle: Archiv Straßenbahnmuseum Thielenbruch)

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Kommentare
  1. Predrag sagt:

    Auch ich kann etwas Merkwürdiges aus Köln berichten.

    Ich kann mich leider nicht an das genaue Datum, ja nicht einmal an das Jahr erinnern, ich kann mich nur daran erinnern, dass ich damals bei der Deutschen Welle ziemlich neu war. Damals war diese Rundfunk Anstalt noch im Zentrum Kölns, nämlich am Neumarkt. Und da geschah es eines Tages, dass zwischen Morgen und Nachmittag alle 4 Jahreszeiten sich abwechselten. Ich glaube es ging los mit der Frühlinszeit, danach kamen Sommertemperaturen, dann verdunkelte sich plötzlich der Himmel und nach einer Weile fing es sogar zu schneien an.

    Das war wohl 1978 oder 1979.

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