Verloren in der Tarif-Todeszone

Veröffentlicht: 25. März 2012 in Bahn und Wahn
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Auf Spiegel Online ist gestern ein Artikel über das angebliche Chaos bei Nahverkehrstarifen erschienen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,816980,00.html

Wie seht Ihr das? Ist es wirklich so schlimm und unverständlich?

Im Raum Köln-Bonn (und Umland, also VRS) wurde vor ca. 8-10 Jahren (?) ja Einiges reformiert und – meiner Meinung nach – auch verbessert. Musste man früher auch innerhalb Kölns tariflich unterscheiden, ob man bis hinter den Gürtel fährt (Köln hatte eine Innenstadtzone bis zum Gürtel und drumherum glaub ich 6 angrenzende Zonen innerhalb des Stadtgebietes), so ist es jetzt grundsätzlich einfacher. Eine Gemeinde – eine Tarifzone. Zwei Gemeinden – zwei Zonen, drei Gemeinden – drei Zonen. Undsoweiter…

Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Wer weiss schon als Tourist, ob „Efferen“ an der Linie 18 noch ein Stadtteil von Köln ist, oder ob es zu Hürth gehört? Steht ja nicht dran, die Station heißt nicht „Hürth-Efferen“, sondern nur Efferen.

Oder dieses Uedorf an der Linie 16? Wesseling oder Bornheim? Bornheim? Ist das nicht an der 18? Ach, Hersel gehört auch zu Bornheim? Interessant…

Auch beim Gemeinden-Zählen gibt es Ausnahmen. Die 16 durchfährt 4 Gemeinden auf dem Weg von Köln nach Bonn (Köln, Wesseling, Bornheim, Bonn). Die 18 durchfährt in kaum längerer Fahrzeit 6 Gemeinden (Köln, Hürth, Brühl, Bornheim, Alfter, Bonn). Kostet die Fahrt mit der 18 nun deutlich mehr als mit der 16? Nein, man hat sich geeinigt, dass Köln-Bonn auf den üblichen Wegen immer nur als 4 Gemeinden zählt – also Preisstufe 4.

Auch die Gemeinden selbst werden unterschiedlich behandelt. Wer von Köln in die Nachbargemeinde Wesseling fährt, zahlt mehr als einer, der nur von Brühl nach Bornheim möchte. Fair und einleuchtend, oder etwa nicht? Daher zählen die Großstädte Köln und Bonn als Preisstufe 1B, während kleinere Gemeinden als 1A bezeichnet werden. Nicht unbedingt selbsterklärend, aber leicht vermittelbar.

Ebenso die Kurzsstrecke: Einstiegshaltestelle + 4 Stationen. Im Prinzip simpel, aber gilt verständlicherweise nicht für die DB-Nahverkehrszüge – denn sonst käme man mit dem RE ja per Kurzstrecke von Köln nach Bonn.

Man sieht: Ohne Ausnahmen geht es leider nicht. Vom Kunden wird erwartet, dass er sich vor Fahrtantritt informiert (Haltestellen-Aushänge, Internet, etc.) Geht heute ja für viele schon direkt am Bahnsteig per Schmachtphone. Wer mit dem Auto in unbekanntes Terrain startet, informiert sich meist ja auch vorher, oder?

Ich hab schon früher gehört, es wäre doch damals alles einfacher gewesen. Beim KVB-Fahrer gab es Erwachsenen- und Kinder-Fahrkarten. Weiß und blau, auf den bei Schülern als Sammelobjekte sehr beliebten „Blöckchen“. Und nicht zig verschiedene Zonen.

Aber ist das wirklich ein fairer Vergleich zwischen früher und heute? Wer damals z.B. in Thielenbruch wohnte und mal zu Beethoven nach Bonn fahren wollte, der kaufte sich solch einen Erwachsenenfahrschein und gelangte damit in die Stadt. Dann stieg er um in die Köln-Bonner Eisenbahn oder Deutsche Bahn – dafür brauchte er dann natürlich wieder ein neues Ticket. In Bonn gings vielleicht weiter mit der Straßenbahn, und er kaufte sich einen dritten Fahrschein. Ob das günstiger, einfacher und gerechter war?

Gibt es also einen Ausweg aus der Tarifhölle, oder „Tarif-Todeszone“, wie es auf spiegel.de heißt? Vielleicht der von vielen Piraten befürwortete „Nulltarif“, der schon vor vielen Jahren diskutiert und wissenschaftlich untersucht wurde (www.nulltarif.info)? Was meint Ihr? Auch schonmal in der Tarif-Todeszone verlorengegangen? Ich bin gespannt auf Kommentare – hier oder bei Spiegel Online (lieber natürlich hier… :-)).

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Kommentare
  1. mathepauker sagt:

    Ein Problem sehe ich darin, dass der Umgang mit Fahrkarten (wie bei vielen anderen Dingen wie etwa Abfallentsorgung) nicht bundesweit einheitlich ist. Tarifzonen, Waben, Ringe – man muss sich immer wieder neu einarbeiten. Dank Internet kann man das heutzutage in Ruhe zu Hause tun und wer ein wenig Übung hat, kommt mit der Zeit schneller zurecht. Trotzdem ist der Erwerb eines (passenden) Fahrscheines mit einem gewissen Aufwand verbunden.
    Schwierig wird es meiner Erfahrung nach, wenn man mit Zeitkarten (zum Beispiel Tageskarte oder Semesterticket) eines Verkehrsverbundes A zu einem Ziel einem angrenzenden Verbund B fahren möchte. Mit dem schon vorhandenen Ticket kommt man an die Grenze zwischen A und B. Wobei ich mit Grenze hier die Haltestelle meine, ab der die Zeitkarte nicht mehr gültig ist. Um direkt in B weiterfahren zu können, kann man den richtigen Fahrschein oft nicht im Voraus zu Hause in A kaufen, muss also an der Grenze, die nicht selten in der Pampa liegt, aussteigen, dort einen Fahrausweis kaufen und dann auf die nächste Bahn oder den nächsten Bus warten. Einfacher geht es, wenn man sich vorher in A ein Länderticket kauft. Das geht an den DB-Automaten mittlerweile bundesweit. Aber die Bequemlichkeit hat ihren Preis, denn ein Länderticket ist unter Umständen deutlich teurer als der benötigte Verbundfahrschein.
    Vieles im Leben ist kompliziert. Wer mit einem Kraftwagen fahren will, muss ja auch erst mal durch die Fahrausbildung und einen Parkplatz finden. Aber das kann doch eigentlich kein Argument sein!?
    Ein deutschlandweit gültiges und halbwegs einheitliches System wird aber bestimmt nicht kommen, unter anderem weil die Zweckverbände naturgemäß zunächst ihre regionalen Interessen verfolgen und sich sicher nicht unterordnen wollen.

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