Carsharing: 4 Jungfernfahrten und 1 Todesfall

Veröffentlicht: 17. Mai 2015 in Bahn und Wahn, Shared Mobility
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wpid-img_0304.jpgNachdem ich in meiner Reihe über Shared Mobility inzwischen die Anmeldung bei 4 Carsharing-Firmen beschrieben habe, will ich nun über die ersten Fahrten berichten.

Cambio

Cambio hat feste Stationen, auch in meinem Wohnort Bonn. Allerdings sind die Autos bisher für mich nicht zu Fuß zu erreichen, sondern ich muss etwa 10 Minuten mit der Stadtbahn dorthin fahren. An der Station Juridicum stehen gewöhnlich 2 Ford Fiesta, ein Kleinwagen von Citroën und ein Kastenwagen VW Caddy – ein vielseitiges Angebot. Per App habe ich einen Fiesta reserviert.

2015-02-06 16.04.47Für meine erste Carsharing-Testfahrt hat mich ein Freund mit reichlich Cambio-Erfahrung begleitet und wir haben einen schönen Ausflug ins Siebengebirge gemacht.

Zunächst öffnet man mit Kundenkarte und Geheimzahl den Tresor vor der Station. Dort stecken die verschiedenen Fahrzeugschlüssel. Eine blinkende LED zeigt an, welchen Schlüssel man entnehmen soll.

Vor dem Start steht erst noch die Schadenskontrolle. Im Bordbuch ist jede kleine Schramme verzeichnet, sofern sie bereits gemeldet wurde. Mit der Schadenskontrolle ist es so eine Sache, und man findet abenteuerliche Geschichten wohl zu jedem Anbieter. Zu Cambio beispielsweise diese hier. Die allerdings nochmal gut ausging. Wo also ist die Grenze? Ein paar Kratzer auf Radkappen bzw. Felgen hat fast jeder gebrauchte Wagen. Manches in der Schadensliste wäre mir gar nicht aufgefallen – selbst bei Sonnenschein. Laut Handbuch gehören ‚feine Kratzer, die nicht auf das Metall durchgehen und weniger als eine Daumenbreite lang sind‘ zu den Gebrauchsspuren, die nicht gemeldet werden müssen. Hoffen wir mal, dass mir nicht mal ein Nutzer mit Adleraugen irgendeinen Vorschaden anhängt, nur weil ich die Kontrolle ohne Lesebrille gemacht habe.

2015-02-06 13.56.232015-02-06 14.46.58Die Fahrt selbst verlief ohne Probleme, und wir wurden mit einem wunderschönen Blick vom Petersberg auf den Drachenfels und die Drachenburg belohnt und haben anschließend noch die Chorruine Heisterbach besichtigt. Etwa 3,5 Stunden und 42 Kilometer für ungefähr 15 Euro (Kaffee und Kuchen nicht mitgerechnet).

Meine zweite Cambio-Fahrt war ganz spontan. Bei einem Forentreff hatte ein Rollstuhlfahrer spät abends seinen Zug verpasst und ich hab ihn mit dem Caddy nach Hause gebracht. Den Rollstuhl kann man (ohne Insassen) da hinten rein stellen, ohne ihn zusammenklappen zu müssen. Sehr praktisch. Reservierung per App in der Stadtbahn Richtung Juridicum. Kastenwagen etwa 1,5 Stunden und 34 Kilometer für knapp 10 Euro. Da kann man auch nicht meckern. (Großraum-)Taxi wäre weitaus teurer geworden.

DriveNow

2015-04-07 16.47.06Meine erste Fahrt mit DriveNow dauerte nur 7 Minuten – und hat mich dank des Startguthabens nichts gekostet – außer den 1 Euro für die Reduzierung der Selbstbeteiligung. Dafür habe ich nach dem Schwimmen im Agrippabad doch noch den früheren Zug am Bahnhof Köln-Süd bekommen und somit 35 Minuten gespart – weil glücklicherweise ein bahnhofsnaher Parkplatz zu finden war.

Die Anmeldeprozedur über den etwas fummelig zu bedienenden Bordcomputer wird von Rene hier in einem anderen Blog gut beschrieben. Das Navi habe ich für die paar Meter und Minuten nicht gebraucht. Nach etwa 20 Jahren mal wieder einen Wagen mit Automatik zu fahren, war auch ein Erlebnis. 🙂 Insgesamt hat aber alles prima geklappt, und der Mini gefällt mir.

2015-04-23 17.17.35-1Car2Go

Auch die erste Fahrt mit Car2go hatte ich in meinem Artikel über die leicht holprige Anmeldung bereits erwähnt. Es war nur eine Testfahrt, die wegen dichtem Stadtverkehr eigentlich zu kurz ausfiel. Reservierung des Wagens und anschließende Fahrt haben aber einwandfrei funktioniert. Wie bei DriveNow gilt: Das Free-Floating-Carsharing würde richtig Spaß machen, wenn es nicht so teuer wäre. Zumindest bei den Stau-Minuten, in denen man sich z.B. weniger als 100m weiter bewegt hat, wäre ein reduzierter Minutenpreis eine kundenfreundliche Sache.

Flinkster

In Anlehnung an den Film „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ habe ich diesen Artikel „4 Jungfernfahrten und 1 Todesfall“ genannt. Denn leider ging eine Jungfernfahrt zunächst schief – und zwar die von Flinkster. Knapp eine Woche nach der Anmeldung und dem Erhalt der Kundenkarte im KVB-Kundencenter habe ich über die App einen Wagen reserviert und bin dorthin gegangen. 2015-04-19 18.47.39Als die Buchungszeit begonnen hatte, versuchte ich den Wagen zu öffnen, was weder mit der Kundenkarte noch über die entsprechende Funktion in der App gelang. Nach mehreren Versuchen rief ich die Flinkster-Hotline an. Dort hing ich erst einmal über 12 Minuten in der Warteschleife. Gut, dass ich an einem sonnigen Sonntagnachmittag meine Testfahrt machen wollte und nicht nachts im Regen stand.

Als mein Anruf endlich angenommen wurde, erfuhr ich, dass etwas mit meiner Anmeldung nicht geklappt hatte – mit der Fax-Übertragung meines ausgefüllten und abgegebenen Antrags von der KVB zu Flinkster. Das Fax wäre wohl nicht angekommen. Wenn ich keine Kopie erhalten hätte (hatte ich nicht), dann müsse ich wohl im Fahrgastcenter nachfragen, damit sie es nochmal faxen. Für heute ginge da nix. Dass ich dennoch ein Fahrzeug reservieren konnte, fand auch der Hotliner bescheuert.

Immerhin wurde ich für die verlorenen fast 1,5 Stunden (mit Hin- und Rückweg, Probiererei, Telefonwarteschlange, Hotline-Anruf und Rückruf) mit 5 Euro Rücküberweisung entschädigt. Nicht viel, aber immerhin…

Am nächsten Morgen also wieder KVB-Kundencenter. Die Kollegin von letzter Woche war nicht zu sehen. Die andere Kollegin konnte mir nicht helfen. Glücklicherweise wusste ich den Namen der Mitarbeiterin, die letzte Woche meinen Antrag erhalten hatte. Die sei ab Mittag da, und nur sie könne das Fax nochmals senden, da dies in ihrem Schrank eingeschlossen sei. Hab ich ein Glück, dass sie nicht 4 Wochen in Urlaub ist…

Mittags also wieder dorthin. Sie war da. Und sagte, sie habe mit der Hauptverwaltung telefoniert, damit das Fax nochmals gesendet werden würde. Das wäre ja schon per Hauspost rausgegangen. In ca. 48 Stunden sollte mein Flinkster aber funktionieren. So etwa war es dann auch. Ein ziemlich holpriger Start, aber immerhin ein Start.

2015-04-26 17.48.27Versuch 2 einer Flinkster-Testfahrt verlief dann problemlos. Im Vergleich zu den Fiestas, Minis und Smarts, etc. ist der abgebildete Seat Mii in Grundausstattung ein sehr einfaches Fahrzeug – und das erste ohne Navi. Was aber kein Problem ist, wenn man Smartphone, Ladekabel und USB-Netzteil für den Zigarettenanzünder dabei hat.

Das Cockpit sieht jedenfalls aus wie aus den 1980ern – kantig und schlicht. Aber alles funktioniert gut. Die Außenspiegel lassen sich zwar von innen verstellen, aber nicht elektrisch, sondern mechanisch. Das funktioniert auch einwandfrei. Wer mehr Luxus will, nimmt den nächst größeren Seat an dieser Station – der kostet dann aber nicht 2,30 € pro Stunde, sondern mit 5 € gut das Doppelte. Zumindest in meinem Gelegenheitsfahrertarif.

2015-04-26 16.59.57Ziemlich grenzwertig finde ich das „Design“ des Fahrersitzes. Man wird deutlich daran erinnert, dass es ein Gebrauchtwagen ist, den man sich mit anderen Kunden teilt. Und da ist wohl mal einer in eine arg brenzlige Situation gekommen. Und der ungenügende Reinigungsversuch hat eher ein Spiegelei daraus gemacht. Da könnte Flinkster gerne nochmal nachbessern…

So, damit sind alle „meine“ Carsharing-Anbieter kurz getestet. Überall hat es letztlich gut funktioniert. Bin zufrieden, mit Teilautos und Leihrädern ist meine innerstädtische Mobilität doch wesentlich flexibler als noch vor wenigen Monaten, als es „nur“ das eigene Auto und das eigene Fahrrad gab.

Anmerkung: Die Artikel in dieser Reihe über Shared Mobility (Carsharing, Fahrradverleih) stellen keinen objektiven Vergleich dar, sondern beschreiben meine persönlichen Erfahrungen, Tipps und Eindrücke zum jeweiligen Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels. Auch verwende ich die Namen der genannten Unternehmen als privater Schreiber dieses Blogs ohne Berücksichtigung irgendwelcher Markenrechte, da ich nicht in geschäftlicher Konkurrenz zu diesen Firmen stehe. Sollten sich objektive Fehler in meine Beschreibungen eingeschlichen haben, so bin ich für Korrektur (als Kommentar zum Artikel) dankbar. Auch sonst freue ich mich natürlich über konstruktive Kommentare.

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