Einführung in Fridrich, Teil 1: 2-Look OLL

Veröffentlicht: 14. Mai 2013 in Plastikknobelkram
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Wer schneller am Zauberwürfel werden möchte, wechselt gewöhnlich nach einiger Zeit von der Anfängermethode auf die Fridrich-Methode. Bevor man „Full-Fridrich“ kann, wo man (mit ziemlich vielen Zügen) die letzte Ebene in 2 Schritten lösen kann (OLL und PLL, also Orientierung und Anordnung der Steine der letzten Ebene), verwendet man gewöhnlich zunächst eine Vereinfachung: Man macht zunächst das „gelbe Kreuz“, indem man die Kanten der letzten Ebene so orientiert, dass ihre gelben Seiten nach oben zeigen (Schritt 3.1 in der Anfängerlösung). In welcher Reihenfolge sie angeordnet sind (3.2), spielt bei Fridrich zunächst keine Rolle.

spiegel-oll300x300Vorteil: Wenn das gelbe Kreuz bereits gemacht ist, gibt es viel weniger Züge zu lernen, die im nächsten Fridrich-Schritt dann auch die gelben Eck-Seiten nach oben drehen, also die Oberseite vollständig gelb erscheinen zu lassen. Es bleiben folgende 7 Fälle zu unterscheiden:

  • Sune und L-Sune, Headlites, Chamäleon, Blinker, Car, Bowtie

Wie kann man diese 7 Fälle am einfachsten lernen und unterscheiden? Ich habe die Situationen nun mal vorhin vor einem Spiegel abgeknipst, so dass man Vorder- und Rückseite des Würfels sehen kann.

Wenn man das gelbe Kreuz erstellt hat, sind auf der Oberseite entweder 0 oder 1 oder 2 Ecken bereits gelb. Darauf zunächst zu achten, hilft bei der schnellen Erkennung der jeweiligen Situation.

Keine gelbe Ecke oben

Bei null gelben Ecken auf der Oberseite gibt es zwei Möglichkeiten:

spiegel-carCar

Es handelt sich entweder um die Situation „Car„, bei der 2 gelbe Ecken nach vorne zeigen und die anderen beiden nach hinten (wie die Front- und Rücklichter eines Autos, das auf einen zufährt).

F (R U R‘ U‘) (R U R‘ U‘) (R U R‘ U‘) F‘

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Der Zug sieht komplizierter aus, als er ist: F, dreimal „Sexy Move“ und F‘.

spiegel-blinkerBlinker

Zweite Möglichkeit bei null gelben Ecken oben: Es ist „Blinker“ – dabei zeigen 2 gelbe ‚Lichter‘ nach links und die (rechten) anderen beiden seitlich nach außen (wie seitlich angebrachte Blinker am Heck eines Autos, das nach links fährt).

(f R U R‘ U‘ f‘) (F R U R‘ U‘ F‘)

notation-fklein100 notation-r100 notation-u100 notation-r_100 notation-u_100 notation-f_klein100

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Auch ganz einfach und schon bekannt (vom „gelben Kreuz“): erst „Fru-ruf“ mit kleinem f und dann nochmal mit großem F. (Für das f‘ F in der Mitte kann man sich natürlich auch eine kleine Abkürzung überlegen.)

Eine gelbe Ecke oben

Wenn sich 1 gelbe Ecke oben befindet, gibt es ebenfalls 2 Möglichkeiten. Entweder ist es „Sune“ oder „L-Sune“ bzw. „Anti-Sune“, also die gespiegelte Version:

spiegel-suneSune

Bei „Sune“ hält man die gelb nach oben zeigende Ecke nach vorne links. Wenn dann bei der rechten vorderen Ecke die gelbe Fläche nach vorne zeigt, ist es Sune. Die beiden hinteren Ecken zeigen dann nach rechts und nach hinten, aber die braucht man gar nicht zum Erkennen.

Der Zug ist ja schon aus der Anfängermethode bekannt – wo er allerdings einem anderen Zweck dient (dem Ausrichten des gelben Kreuzes).

R U R‘ U R U2 R‘

notation-r100 notation-u100 notation-r_100notation-u100

notation-r100 notation-u2-100 notation-r_100

Übrigens: Mit mehrfachem Sune (und einigen Drehungen der U-Ebene) lassen sich im Prinzip alle hier gezeigten Fälle lösen (nur dauerts dann halt länger). Wenn Ihr also mal einen bestimmten Zug nicht wisst: Erst einmal Sune machen (den kennt Ihr ja schon von der Anfängermethode). Bei Car und Bowtie mit U bzw. U‘ beginnen und dann erst Sune drehen. Und dann sieht man gleich, wie es weitergeht. Mehr dazu im Artikel OLL-Vorbereitungszüge.

spiegel-lsuneL-Sune (Anti-Sune)

Der gespiegelte Fall – ich nenne ihn „L-Sune„, andere „Anti-Sune“, sieht so aus: Wenn man die Ecke, deren Gelb nach oben zeigt, nach vorne rechts hält, dann sieht man das Gelb der vorderen linken Ecke nach vorne zeigen. Schaut man – wie abgebildet – von schräg vorne auf die „gelbe Ecke“, sieht man sofort, ob es Sune oder L-Sune ist, indem man schaut, ob die rechte oder linke Nachbar-Ecke einem Gelb entgegenzeigt. Hier ist es also L-Sune, und der Zug ist die genaue Spiegelung des schon bekannten Sune:

L‘ U‘ L U‘ L‘ U2 L

notation-l_100 notation-u_100 notation-l100notation-u_100

notation-l_100 notation-u2-100 notation-l100

Ich persönlich finde den Zug als Spiegelung („L-Sune“) einfacher auszuführen und leichter zu merken als die „Anti-Sune“-Zugfolge, die auf speedcubers vorgeschlagen wurde: Dabei muss man die gelbe Ecke nach hinten links halten und dann R‘ U‘ R U‘ R‘ U2 R drehen. Das ist vermutlich Geschmackssache; es ist ja der gleiche Zug, nur in einer Lage für rechte Hand.

Zwei gelbe Ecken oben

Zeigen bereits 2 gelbe Ecken nach oben, so gibt es drei Fälle zu unterscheiden: Headlights, Chameleon und Bowtie.

spiegel-headlightsHeadlights

Bei „Headlights“ stellen wir uns wieder ein Auto vor. Wir schauen frontal auf die Scheinwerfer (Headlights), aber der Wagen hat einen fetten Heckspoiler, dargestellt durch die beiden hinteren Ecken, deren Gelb schon nach oben zeigt.

(R2 D) (R‘ U2) (R D‘) (R‘ U2 R‘)

notation-r2-100 notation-d100 notation-r_100 notation-u2-100

notation-r100 notation-d_100 notation-r_100notation-u2-100 notation-r_100

Diesen Zug finde ich am unpraktischsten zu lernen. Aber die notierten Klammern helfen, dem Ganzen einen Rhythmus zu geben, und sooo schwer ist es ja nun auch wieder nicht.

spiegel-chameleonChameleon

Das „Chameleon“ erkennt man daran, dass seine Augen nach außen zeigen und sein Schwanz nach oben. In Grundposition betrachten wir es von der linken Seite, sein „Kopf“ ist also links (und sein linkes Auge glotzt uns an), und rechts hat es seinen Heckspoiler, äh Schwanz. Damit ist auch schon die Verwechslungsgefahr mit Headlights genannt. Also: Wenn man die benachbarten gelben Ecken sieht, die entweder Schwanz oder Heckspoiler bilden, dann ist die nächste Frage: Schauen die beiden anderen Ecken wie Autoscheinwerfer nach vorne, oder wie Chamäleon-Augen zur Seite. Die „Chameleon“-Zugfolge geht dann so:

(r U R‘ U‘) (r‘ F R F‘)

notation-rklein100 notation-u100 notation-r_100 notation-u_100

notation-r_klein100 notation-f100 notation-r100 notation-f_100

Es beginnt quasi mit einer SexyMove-Variante, die aber ein kleines r hat, also die Mittelebene mitdreht.

spiegel-bowtieBowtie

Der dritte Fall heißt „Bowtie„, weil er von oben betrachtet angeblich an eine Krawatte bzw. „Fliege“ erinnert. Bei Bowtie zeigen zwei diagonal angeordnete Ecken mit Gelb nach oben. Wie bei Sune muss man nun die Ecke finden und nach vorne links stellen, bei der dann vorne rechts das Gelb nach vorne zeigt. Ist das nicht der Fall, steht die falsche der beiden gelben Ecken vorne links, und man muss die U-Ebene oder den ganzen Würfel um 180° drehen.

Die Zugfolge für „Bowtie“ lautet:

F‘ (r U R‘ U‘) (r‘ F R)

notation-f_100 notation-rklein100 notation-u100 notation-r_100 notation-u_100

notation-r_klein100 notation-f100 notation-r100

Sie erinnert sehr stark an Chameleon, nur dass ein F‘ vorangestellt ist, und dieses aber dann am Ende fehlt.

Weiter mit Fridrich

Wer bisher nach Anfängermethode gelernt hat, nun aber schrittweise auf Fridrich umsteigen möchte, dem empfehle ich, den obigen Schritt „zwischenzuschieben“ (solange man nicht auf Zeit löst) und beim Lösen des Zauberwürfels erstmal weiter anhand der Anfängermethode vorzugehen.

Nach dem Erstellen des gelben Kreuzes (Schritt 3.1) kann man ja schauen, welcher der oben gezeigten Fälle vorliegt, und man kann diesen dann ja auch ausführen, so dass der Würfel eine vollständig gelbe Oberseite bekommt. Die geht dann zwar wieder verloren, wenn man zur Anfängermethode zurückkehrt (und – Schritt 3.2. – das gelbe Kreuz ausrichtet, was man bei Fridrich später nicht mehr macht), aber man hat die Möglichkeit, die 7 OLL-Züge von „2-Look-Fridrich“ schonmal zu üben. Wenn man dann zu Fridrich-PLL (Permutations, also Sortieren der oberen Ebene) kommt, kann man OLL dann bereits auswendig und kann sich ganz auf die U-Perms, A-Perms, etc. konzentrieren.

Damit es nicht langweilig wird, sollte man spätestens jetzt auch die ersten beiden Ebenen gemeinsam lösen. Den Tipp mit RiDo’s Hunting Story habe ich hierzu ja bereits im ersten Teil der Anfängerlösung gegeben.

PS: Zum Üben der 7 OLL-Fälle habe ich nun eine Tabelle mit Vorbereitungszügen, etc. erstellt. Viel Spaß damit!

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Kommentare
  1. neo sagt:

    Vorab: Saugeniale Seite!!! (Jahresaufgabe an Silvester war den Rubiks lösen zu lernen und mittels deiner intuitiven Anfängermethode und den Videos auf Youtube hat das in weniger als einer Woche mit abends mal ‚en Stündchen geklappt)… Um so mehr freut es mich, wenn ich auch mal was zurückgeben kann, also:

    „Bowtie“ ist englisch und kommt von „bow tie“, also „Krawatte/Fliege“. Die Form diagonal betrachtet soll an eine gebundene Fliege erinnern…

    • RoFrisch sagt:

      Ja, danke. Schöne Jahresaufgabe. 🙂

      Ich änder den Text jetzt mal, denn irgendwann hatte ich „Bowtie“ auch mal gegoogelt… 🙂

      LG, Roland

  2. SaMe sagt:

    „Bowtie“ heißt übrigens Kravatte, mit ein bisschen Fantasie kann man das darin sehen 🙂

  3. […] der Fridrich-Methode kann bzw. lernen will (man braucht nur T-Perm, Y-Perm und vielleicht noch 2-Look OLL). Ich versuche, es hier mit eigenen Worten (und Bildern) zu erläutern, wie ich den 2x2x2 in […]

  4. […] von der Zauberwürfel-Anfängermethode auf die (schnellere) Fridrich-Methode erleichtern sollen (Einführung in Fridrich, Teil 1: 2-Look-OLL, Einführung in Fridrich, Teil 2: PLL, die ersten 2 Perms), habe ich die letzten Wochen damit […]

  5. […] des vielleicht ältesten würfeldrehenden Lesers in diesem Blog habe ich nun im Artikel “Einführung in die Fridrich-Methode, Teil 1“ die 7 verschiedenen 2-Look-OLL-Züge mit dreidimensionalen Drehbildern […]

  6. […] 2x2x2-Zauberwürfel,… on Einführung in Fridrich, Teil 1… […]

  7. lumo sagt:

    Vielen Dank, für die tolle und einfahe Beschreibung! Die beste die ich kenne für 2 look OLL. Könnte mich motivieren mich an die 2 look PLL zu wagen, aber da finde ich bisher nur Seiten die einfach alle Algo aufzählen, solche „Eselsbrücken“ wie hier beschrienen helfen schon ungemein… Zumindest mir 😉

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